• 31. Mai 2016 /  In Memoriam, Krankheiten

    Am 22.3.2016 zeigte Emil schon einmal extremes Entlasten seines linken Hinterbeines. Damals war er gefallen, wir dachten, es wären die Nachwirkungen und er bekam drei Tage Novalgin zum Previcox. Danach war alles wieder OK, Emil spielte wieder mit Pepsi und lief unterwegs wieder problemlos mit. 

    In den letzten Wochen fiel uns auf, dass Emil am Ende der Spaziergänge sehr langsam wurde. Auch stand er zuhause schlecht auf und legte sich sehr langsam und vorsichtig ab. Ich dachte, das ist das Alter, erhöhte sein Schmerzmittel, was aber nichts verbesserte. Ich verkürzte seine Spaziergänge etwas um ihn nicht zu überlasten. Im Garten spielte er total gerne mit mir, aber so gut wie nicht mehr mit Pepsi.

    Am 21.5. sah ich zum ersten Mal, dass Emil beim Fressen sein linkes Hinterbein schweben lies. Er stand komplett auf dem rechten Bein, benutzte das linke Bein nur zum Stabilisieren. Unterwegs sah man ein leichtes Lahmen, beim Umdrehen schwankte er leicht, rückwärts gehen ging gar nicht. Am Montag den 23.5. beschloss ich ihn in die nächste Klinik zu bringen, um abzuklären, was in dem Bein los ist. Ich vermutete damals schon einen Tumor, weil Schmerzmittel nichts mehr ausrichteten. Diese naheliegende Klinik wähle ich, weil dort digitales Röntgen möglich ist, so kann man mehrere Aufnahmen schnell hintereinander machen und die Qualität ist besser. Außerdem bekam ich am gleichen Tag noch einen Termin. Hätte man dort einen Tumor gesehen,  dann wollte ich in die Klinik Hofheim fahren um Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen. 

    Der Tierarzt dort schaute sich Emils Gangbild gar nicht an. Er überprüfte die Stellreflexe, die auch noch vorhanden waren. Er tastete Emil ab, beschloss dann, dass wir Röntgenaufnahmen machen sollten. Emil wurde ohne Narkose geröntgt, er war sehr brav und lies alles problemlos über sich ergehen. Die Reflexe wollte der Arzt in Seitenlage auf dem Röntgentisch überprüfen, was er aber nicht tat. 

    Nach dem Röntgen zeigte er uns folgende Bilder, beiden denen überall die Kennzeichnung rechts/links fehlte. 

    Seine Diagnose: Emil hätte Hüftgelenksdysplasie und Cauda Equina Syndrom. Er schlug uns eine Denervation vor und Cortison Depot Spritzen in die Cauda. Rückfragen zur Technik der Deneravtion konnte er ebensowenig beantworten wie meine Frage was genau in die Cauda gespitzt wird und was es bewirkt. Warum dazu ein CT notwendig ist, konnte er ebensowenig erklären. Meinen Einwand, dass Emils Hüftgelenke doch gar nicht so schlimm aussehen, wischte er vom Tisch. 

    Wir sollten zwei Tage später von ihm einen Anruf erhalten, wann der Chirurg Emil operieren würde. Wir fuhren nach Hause und waren froh, dass man Emil mit so einer relativ kleinen OP die Schmerzen nehmen würde. 

    2 Std später rief der gleiche Tierarzt an und sagte uns, dass der Chirurg Emil nicht operieren würde, weil die OP keinen Erfolg haben würde, denn Emil hätte ein Schmerzgedächtnis. Sie würden eine Cortison Therapie vorschlagen. Ich legte den Hörer auf und mein Bauchgefühl sagte mir sofort, das ist alles Quatsch. 

    Am nächsten Morgen rief ich in Hofheim an und bat um einen Termin bei einem der Oberärzte. Ich bekam einen Termin am Montag. Also noch 6 Tage… Am Abend rief Hofheim wieder an, am Freitag war ein Termin frei geworden, wir könnten kommen. 

    Freitags um 17 Uhr waren wir in Hofheim. Der TA Dr. Schmohl holte uns am Auto ab und sah nach wenigen Emil Schritten, dass Emil massive neurologische Probleme hatte. Er testete direkt auf dem Parkplatz die Stellreflexe und zu unserem Erschrecken war Emils Stellreflex auf der rechten Seite nun stark verzögert. Auch der hopping Test zeigte an, dass da was nicht stimmt. 

    Im Besprechungszimmer angekommen, zeigte uns Dr. Schmohl an den mitgebrachten Röntgenbildern sofort den Tumor in Emils Beckenknochen. 


    Um das ganze Ausmaß des Tumors und irgendeine Behandlungsmöglichkeit erkennen zu können, entschieden wir uns für ein CT, was zu dem niederschmetternden Befund des 9 cm großen Osteosarkoms an der Darmbeinschaufel führte. Auch die Lungenmetastasen und die befallenen Lymphknoten waren deutlich zu sehen.  Der Tumor war bereits in den Lendenwirbelsäulenmuskel gewachsen und führte zu den neurologischen Ausfällen. 

    Wir nahmen Emil mit nach Hause und wollten ihm mit starker Schmerztherapie noch ein paar schöne letzten Tage machen. Daraus wurden leider nur noch Stunden, denn die immer stärker werdenden neurologischen Ausfälle führten dazu, dass Emil so gut wie nicht mehr alleine laufen konnte und nach ein paar wenigen Schritten im Garten abends endgültig zusammen brach. Unser TA war 20 Minuten später da und Emil schlief im Garten friedlich in meinen Armen ein.

    Die Klinikleitung der Klinik, die nicht fähig waren dieses Röntgenbild zu lesen, erhält von uns den Befund und einen Brief. Falls je eine Reaktion kommt, werde ich berichten. 

    Mein Dank gilt der Tierklinik Hofheim und dem TA Dr. Schmohl. Dort ist man immer gut aufgehoben und die Diagnostik und Beratung ist einfach exzellent. 

    Posted by Emils Frauchen @ 11:50

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6 Kommentare zu Zeit zur Aufarbeitung

  • elvi sagt:

    unglaublich, die geschichte.
    da bekommt man dann doch ganz gehörige zweifel an der ärztlichen KUNST (?) Mad

  • Ramona Heidemann sagt:

    OMG ich muss grad direkt weinen . und da möchte ich mir nicht vorstellen,wie es euch gegangen ist.Ich bin so froh,Pflegefachfrau zu sein und daher auch über medizinische Kenntnisse verfüge.Als mein Emyle von einem Auto überfahren wurde und den ganzen Tag beim TA zur Beobachtung war,war die Diagnose auch nur Prellungen.Aber als er über 24 Std. sich nicht ablegen konnte,bin ich nochmal hin und er bekam nur was gegen Schmerzen.Früh dann nochmal hin und habe der TA erklärt,dass er sich nicht ablegt und beim Abtasten knirschte der Brustkorb.Daraufhin hat sich die Ärztin nochmal die Röntgenbilder angeschaut….und penetrant wie ich bin,hab ich mitgeschaut und man konnte sehr deutlich sehen,dass er mehrere Rippenbrüche hatte und eine feste Gehirnerschütterung.Ich frage mich immer,was Ärzte im Studium lernen???
    Aber Emil durfte in deinem Arm einschlafen,es gibt nichts tröstlicheres.
    Es war euer Emil,warum meine anders geschrieben wird,daran muss ich immer denken.
    Emil alles Gute im Regenbogenland…du wirst dort viele Freunde treffen.Ich umarm dich aus der Ferne mein süsser Prinz

  • luigi sagt:

    Unfaßbar! Wie kann eine, wie man glaubt qualifizierte Kraft einen 9!!! cm großen Tumor auf dem Röntgenbild nicht erkennen???
    Mein Gott- sogar kurz vor Emils nahem Lebensende mußtet ihr euch noch eine gewaltige Fehldiagnose erfahren! Und dein Bauchgefühl hat dich wieder einmal das Richtige tun lassen.
    Leider waren wohl auch in der Tierklinik Hofheim die medizinischen Möglichkeiten bei dieser niederschmetternden Diagnose erschöpft. Es ist gut , daß ihr Emil noch mit nach Hause genommen habt, auch ihr habt die Zeit gebraucht nach diesem Schock, um noch in Ruhe Abschied nehmen zu können , nicht wahr?
    Man muß das ja erst realisieren, daß es jetzt wirklich bald vorbei ist.
    Euer Tierarzt war ja schnell zur Stelle und so konnte Emil in seinem Zuhause und in deinen Armen ruhig einschlafen und somit auch wirklich erlöst werden.Und es war bestimmt eine Erlösung, denn seine Lebensfreude war sicher auch nicht mehr da!
    Ich weiß ,wie schmerzlich ihr Emil vermißt. Auch Pepsi wird ihn wohl überall suchen- drückt sie ganz fest!
    Wie Siggi schon erwähnte, wir haben Emil nie persönlich kennengelernt, ihm nie übers Fell streichen können und dennoch haben wir das Gefühl, ihn ein bisserl gekannt zu haben . Wir haben mit euch mitgebangt und gehofft ,all eure Höhen und Tiefen aus der Ferne miterlebt. Wir können uns gut vorstellen , wie eng eure Bindung vor allem auch durch seine Krankengeschichte war.
    Und nicht zu vergessen- Emil hatte ganz großes Glück
    mit seinen Menschen!!!
    Ganz liebe, aber auch sehr traurige Grüße Dagmar mit Luii

    • Emils Frauchen sagt:

      Pepsi hat Abschied genommen und sucht ihn nicht. Sie lebt im hier und jetzt und ist guter Dinge.
      Man hat uns erklärt, dass man dort nicht bestrahlen kann, weil Darm und Rückenmark zu nahe liegen.

  • Karina sagt:

    man braucht nur wenig Fachwissen um zu sehen, dass der Knochen weggefressen ist, es ist unfassbar! Es macht einen guten Tierarzt/ Arzt aus, den Blick auch vom offensichtlichem abwenden zu können, um das eigentliche Problem sehen zu können und nicht zu übersehen. Mein alter Chef sagte damals immer, der Patient kann Läuse UND Flöhe haben. Auf die Stellungnahme bin ich sehr gespant.
    Fakt ist trotz allem, dass auch eine frühere Diagnose nichts an dem Verlauf geändert hätte, auch nicht im März oder im April. Ein Osteosarkom ist nicht heilbar, egal in welchem Stadium man es entdeckt. In seltenen Fällen, wenn eine Amputation möglich ist, weil der Tumor sehr früh und eher zufällig an einer Pfote entdeckt wurde, überleben Hunde, wenn sie jung genug sind, um die Chemotherapie zu überstehen. Am Beckenknochen hätte man auch bei 1 mm Tumor nichts machen können, gerade Osteosarkome streuen extremst früh. Ihr hättet nichts am Verlauf ändern können …

  • Siggi sagt:

    Das finde ich auch am meisten erschreckend an eurem Weg – ein TA der ein Röntgenbild nicht lesen kann (will) und der nächste Arzt sieht es sofort?!!! Da ist man alarmiert und weiß, warum man immer mit Skepsis an alle Diagnosen geht. Leider beobachtet man den guten TA mit genau der selben Skepsis wie den schlechten – aber wer weiß es schon vorab….

    Ach mei Emil Cry Ruhe sanft, du schöner Bär Heart

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