
7 Jahre alt ist Emil heute geworden. Wie oft in seinem Leben hatte ich gedacht, dass Emil dieses Alter nie erreichen wird. Seine Krankheiten haben uns viele Euronen und noch viel mehr Nerven und Tränen gekostet, aber sie haben uns auch ganz eng zusammengeschweisst.
Dadurch, dass ich Emil wegen seiner Trigeminuslähmung fast 4 Wochen aus der Hand füttern und tränken musste, ist eine sehr enge Beziehung zwischen uns entstanden. Heute spüre ich an kleinsten Signalen, wann Emil Durst hat, Hunger hat, Schmerzen hat oder einfach nur mal “muss”.
So kommt abends Emil ganz oft zu mir und sagt mir mit seinem Blick: “Kannst du Herrchen mal Bescheid sagen, dass ich mal raus muss?” Oder er steht an seiner Trockenfleisch-Box und fragt mich, ob er ein Stückchen daraus haben kann. Selten fragt er noch ein zweites mal und wenn man dann zu ihm sagt, nein, Emil du hattest schon eines, dann ist es auch gut. Nie würde er die Box selbst öffnen und sich bedienen, obwohl es ein leichtes für ihn wäre.
Niemals hat Emil das Vertrauen in mich verloren, obwohl ich ihm bei der Wundpflege so oft wehtun musste. Immer wieder hat er sich zu unangenehmen Arztbesuchen schleppen lassen, was mir selbst oft sehr, sehr schwer gefallen ist. Aber wie sollte ich ihm erklären: “Wir wollen dir doch nur helfen”.
Noch heute zeigt Emil genau die Züge, die er als Welpe schon hatte. Er liebt es zu spielen, vor allem mit kleinen, weichen und winzigen Dingen. Er ist unheimlich gerne in seinem Zuhause und freut sich immer wie verrückt, wenn wir zusammen von einem Ausflug wieder nach Hause kommen. Unvergessen die vielen Wochen in denen wir 15 – 18 Kilo Emil von Zuhause erst ein Stück wegtragen musste, weil er nicht von seinem Zuhause weggehen wollte oder wir ihn die Treppe hoch und runter schleppen mussten, weil Emil erst mit 13 Monaten die Treppe zum ersten Stock laufen wollte.
Ganz pragmatisch und vertrauensvoll akzeptierte Klein-Emil das “Nein”, das Alleine bleiben, die geschlossen Türen und das Warten im Auto. Nie gab es Gejammer oder Protest, nie hat er Essen gestohlen oder an Türen gekratzt. Unvergessen die Nacht, in der der halbwüchsige Emil draussen seltsame Geräusche hörte – aber anstatt laut loszubellen, nur ganz leise seine Pfoten auf die Fensterbank gesetzt hat, um zu schauen, was da draussen überhaupt los ist. Er ist ein stiller, sensibler Hund mit einer großen inneren Ruhe. Emil kommunziert sehr viel mit Blicken, weil er weiß, dass wir ihn verstehen.
Oft habe ich darüber gegrübelt, warum denn gerade ich so einen kranken Hund bekommen habe. Manchmal hatte ich das Gefühl alles falsch gemacht zu haben, vor allem, wenn ich Emil zu einem Tierarzt gebracht hatte, der ihm geschadet hatte. Ich konnte Emil ja nicht um Verzeihung bitten und ihm alles erklären – das waren oft sehr bittere Tage für mich.
Die Antroposophen sagen: Ein Kind sucht sich seine Eltern aus.
Emil hat sich bestimmt uns ausgesucht, weil er sich bei uns sicher sein konnte, dass es für uns keinen Grund der Welt geben würde, sich von ihm zu trennen. Obwohl der Weg mit ihm oft schwer zu gehen ist, werden wir ihn nie im Stich lassen und weiterhin alles erdenkliche für ihn tun.
Nie vorher in meinem ganzen Leben war mir ein Hund näher als Emil und ich wünsche ihm zu seinem Geburtstag von ganzem Herzen weitere glückliche Lebensjahre ohne Schmerz und Krankheit. Was wir dazu beitragen können, werden wir tun.
“Mein Hund ist als Hund eine Katastrophe, aber als Mensch unersetzlich”
(Johannes Rau)
