Auch Emil ist nicht brav auf die Welt gekommen. 
Klein Emil war der Meinung, dass man in entgegenkommende Autos und Radfahrer dringend bellend reinspringen sollte um sie zu stoppen. Je lauter das Objekt, umso lieber. Das ist natürlich ein Problem, denn wenn klein Emil mal ein großer 40Kg Emil geworden ist, dann würde dieses Verhalten nicht gerade Spaß machen. Dazu muss man wissen, dass es genetisch festgelegt ist, dass für den Hund ein sich frontal schnell näherndes Objekt ‘Gefahr’ bedeutet, er also eigentlich entweder mit Flucht oder Angriff reagieren “muss”.
So bewaffnet man sich mit einer dicken Tasche Leckerlies und dem Clicker (Emil war schon auf den Clicker konditioniert), geht mit angeleintem Emilchen an eine vielbefahrene Strasse, in der es möglich ist, etwas Abstand zur Strasse einzuhalten. Bei uns gibt es da einen Grünstreifen zur Strasse, so konnte man die Annäherung an die Fahrzeuge gut dosieren.
Emil wird nun so nahe an die Strasse herangeführt, dass er NICHT auf die entgegenkommenden Fahrzeuge reagiert. Emil läuft brav neben mir, Kommando “schau”(mich an) kannte Emil: “click” und Belohnung dafür dass er mich anschaute und dem Verkehr keine Beachtung schenkte. Das macht man ein paarmal und geht näher an die Fahrbahn heran. So übt man immer weiter mit “schau” und nähert sich der Strasse. Emil lernte so: Es ist viel besser, Frauchen anzuschauen, als Objekte zu jagen. Das geht natürlich auch ganz ohne Clicker nur mit der Stimme, man lobt eben den Hund und gibt das Leckerli.
Ganz wichtig in dieser Phase ist: Ich gehe nur so nahe an die Strasse heran, wie Emil es schafft, nicht auf die Fahrzeuge zu reagieren, ich ihn also NICHT strafen muss.
Der Grundsatz dieser Methode ist: Belohne erwünschtes Verhalten – ignoriere unerwünschtes.
Wichtig ist, dass man die Situation so gestaltet, dass der Hund das erwünschte Verhalten auch anbieten kann. Wäre ich also gleich in 2m Abstand zur Strasse mit klein Emil gelaufen, wäre der Reiz in die Autos zu springen für ihn zu hoch gewesen. Also gehe ich so weit von der Fahrbahn zurück, dass der Reiz ganz niedrig ist und schon bekommt man Zugang zum kleinen Hundehirn.
All das habe ich mit Radfahrern, Pferden, Kühen, Inlinern, Joggern, kläffenden Hunden etc. geübt. Später habe ich kein “Schau” (mich an) mehr verlangt, sondern Click und Belohnung langsam abgebaut. Heute reicht ab und an ein “soisserbrav” wenn Emil zum Beispiel trotz einer laut dröhnenden Harley brav weiter geht ohne sie zu aufzufressen. Die Rute geht trotzdem noch hoch und sein Blick zur Harley spricht Bände, aber dabei bleibt es dann auch.
Auch mit unangenehmen Hundebegegnungen habe ich genau so geübt, allerdings gibt es Hundefeinde, da braucht Emil 3m Abstand und welche, da braucht er 10m Abstand um ruhig daran vorbeizugehen. Dafür bleibt Emil auch ruhig und die anderen Hunde drehen an der Leine völlig ab obwohl – oder gerade weil? - sie von ihren Besitzern beim Anblick von Emil bestraft werden.
Es ist aber garantiert nicht mit 2 Wochen üben getan, und es gibt auch Rückschläge. Aber anstatt den Hund zu strafen, wenn es mal einen Rückschlag gab, hab ich mir lieber an die eigenen Nase gefasst und gesagt: Du hättest besser auf ihn achten sollen, er war mit dieser Situation überfordert.
Aber soooo perfekt muss Emil auch nicht sein, das wäre ja langweilig.